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DK (100 x 100)03

präsentiert die

TTZ (100 x 100)

Klassentreffen (AT)

von Nina Ender


 

Figuren

 

Claudia

Daniel

Kai

Daniela, genannt Ela

 

 

Ankunft

 

Ela und Floh kommen die Treppen hoch, Claudia steht in der Tür –

 

Claudia Hallo ihr beiden. Schön –

 

Kai Hallo –

 

Ela   Claudia!

    Wie geht’s dir?

    Gut –

 

Claudia Dass ihr da seid

    Schön!
     

Ela   Gut siehst du aus.

 

Claudia Du auch –

 

Ela lacht, Kai gibt ihr einen kleinen Kuss auf die Backe –

 

Claudia Ihr beiden –

 

Kai   Aber sie hat Recht, Ela –

 

Claudia Dass das gehalten hat, groß –

 

Kai   Dass du gut aussiehst.

   Du hast dich gehalten –

 

Ela Mensch, wie lang ist das jetzt her –

 

Claudia Kommt doch rein.

   Oder –

   Wollt ihr eure Sachen nicht gleich hochholen?

 

Kai Wir schlafen im Hotel –

 

Ela   Wir wollten keine Mühe machen –

 

Claudia Hier ist Platz genug.

 

Kai Ich hab doch gesagt – ruf erstmal an, frag –

 

Ela Tolle Wohnung übrigens!

   Acht oder zehn Jahre?

   Wann haben wir uns zuletzt gesehn –

   Wie die Zeit vergeht.

   Ich hab mich so gefreut, über die Einladung.

   Wir sollten das viel öfters machen –

   So eine tolle Wohnung.

   Du musst mir alle Zimmer zeigen!

   Wir haben auch Fotos dabei – von den Mädchen –

   Wohnst du ganz allein hier?

 

Claudia Ja – wieder.

 

Ela   Tut mir leid.

 

Kai   Wir haben Kartoffelsalat mitgebracht.

   Hat Ela gemacht –

 

Claudia Kommt –

   Komm ich zeig dir die Wohnung.

 

 

Klassentreffen

 

Claudia zeigt Ela die Wohnung.

Kai steht am gedeckten Tisch, elf Gedecke.

Daniel kommt die Treppen hochgepoltert, betritt die Wohnung –

 

Daniel   Hallo?!

    Kai!

 

Kai Daniel –

 

Daniel   Alte Pflaume –

 

Kai Du hast dich kaum verändert.

 

Daniel Dich haben die Jahre gezeichnet!

   Nein, Quatsch.

   Alter –

   Kleiner Kai –

   Lass dich drücken –

 

Kai Schon komisch, nach so vielen Jahren –

 

Daniel   Ach Quatsch!

 

Kai   Ja –

 

Daniel   Ist sonst schon wer da?

 

Kai   Ela und ich –

 

Daniel   Eins, zwei drei, vier –

 

Kai Claudia zeigt Ela die Wohnung –

 

Daniel   Elf?

   Kommen nur so wenige?

   Sollte doch ein Klassentreffen werden –

 

Kai   Weiß auch nicht –

 

Daniel   Claudia – wo ist die eigentlich?

 

Kai Zeigt Ela die Wohnung.

 

Daniel   Tratschen – wahrscheinlich –

 

Kai zuckt mit den Schultern, kurzes Schweigen. Dann kommen die Frauen zurück –

 

Daniel   Claudia!

   Lady – Baby – allerliebster Spatz –

 

Claudia schüttelt den Kopf –

 

Claudia Du hast dich kein bisschen verändert –

 

Daniel   Hallo Daniela –

   Kai hat mir schon voller stolz von seinem Vaterglück erzählt!

 

Ela lächelt geschmeichelt –

 

Ela Wir haben auch Fotos mitgebracht –

   Was hat er denn erzählt?

 

Kurzes Schweigen –

 

Kai Äh – dass Lena und Anna schon fast aus dem Kindergarten raus sind.

(zu Daniel) Zwillinge –

 

Ela Kai ist ja noch ein genau so ein Tollpatsch wie früher in der Schule, verwechselt alles –

Bei dem Meldeamt hat er sogar die Namen der Mädchen vertauscht, ausgetauscht auf der Geburtsurkunde – Lena heißt jetzt Anna und Anna Lena, lustig nicht –

Kai Ela –
 

Ela Passt aber.


Mein kleiner Kai –


Kai Ela!


Daniel lacht –


Daniel Wie früher.

 

Claudia (angewidert) Früher – früher –

 

Daniel (zu Claudia) Und wo ist jetzt der Rest vom Schützenfest?

 

Deutet auf die Teller –

 

Daniel Wer wollt denn noch kommen?

 Zehnjähriges – oder?

 Das ist aber mager –

 

Claudia Also –

   Anlässlich –

 

Schweigen. Alle sehen Claudia an –

 

Claudia Eigentlich hab ich gedacht, weil heute, am sechsten elften Portugal spielt, und weil wir doch in der Sechsten unsere Fußballmannschaft waren, lad ich uns elf, also euch zehn, zusammen ein – wir sehn das Spiel an –

 

Daniel Hab ich sowieso geglaubt, dass wir WM schaun –

   Wer kommt denn noch?

 

Claudia Und dann – außerdem auch noch, weil wir in der zwölften Klasse die Klassenfahrt nach –

 Portugal –

 Machten, so kam ich auf den – Gedanken, dass –

 

Ela überspielt die Unsicherheit/Verlegenheit aller –

 

Ela Ist doch eine ganz gute Idee –

 

 

Tennisbälle

 

Daniel Claudia wollten ja schon in der Ersten alle Jungs heiraten. Wenn ich in der großen Pause gebolzt hab, mit Tennisbällen, die die Lehrer dann eingesammelt haben, ich hab mir das immer vorgestellt, wie meine ganzen gelben Tennisbälle im Lehrerzimmer auf dem Tisch aufgereiht liegen, wenn ich einen Ball über den Schulhof gebolzt habe, hab ich mit einem Auge immer zu Claudia geschaut, ob sie mich anschaut –

Dann hatte auch ein Junge aus der Klasse über uns ein Auge auf sie geworfen –

Ich hab die Fußballmannschaft gegründet, wir mussten eigentlich nur eines, das war ganz klar, wir mussten die Jungs aus der Klasse über uns im Fußball besiegen –

 

Fernseher kaputt

 

Daniel   Na –

   Dann schmeißen wir die Glotzkiste doch mal an.

 

Daniel will den Fernseher einschalten –

 

Ela   Mir hat Oliver Kahn halt Leid getan, weil der – Kliensmann?

 

Kai Ja –

 

Ela Ihm ja immer versprochen hat, er ist die Nummer eins –

 

Daniel Daniela – es ist schön mit dir über Fußball zu reden.

   Warum geht das Scheißding nicht an –

   Der Fernseher ist kaputt!?

 

Claudia Ja –

 

Daniel wird wütend –

 

Daniel Du lädst uns zum Fußballschaun ein und der Fernseher funktioniert nicht! Du – du hast es gewusst!

 Du –

 Claudia – das ist kein Spaß!

 

Claudia Ist es auch nicht!

 

Kurzes, eisiges Schweigen, dann:

 

Daniel Dann gehn wir in eine Kneipe um die Ecke! Los gehen wir in eine Kneipe –

 

Ela Aber –

 

Daniel Jetzt sofort! Los –

 

Ela Jetzt hat sie die ganzen Sachen vorbereitet –

 

Daniel (zu Kai) Dir ist es auch egal, das Spiel nicht zu sehn?

 

Kai zuckt mit den Schultern, nickt.

Daniel merkt, dass er die anderen gegen sich aufgebracht hat. Er will einlenken, sie wieder für sich einnehmen –

 

Daniel Gut –

   So wichtig ist es ja auch nicht, so ein – Vorspiel.

   Angola gegen –

Egal.

   Also – Bleiben wir hier. Essen was, unterhalten uns – gut.

 

Muscheln wie Scherben

 

Claudia Da war noch was! Wie er am Strand an mir vorbei aufs Meer zuging, über zerbrochene Muscheln aber wie über Scherben die Wellen nicht hoch lächerlich niedrig eigentlich – als er Knöcheltief im Wasser stand den Kopf umwandte da –

Sportlicher Ehrgeiz

 

Daniel   Lecker, der Kartoffelsalat –

 

Ela   Ist es okay, wenn wir schonmal anfangen zu Essen?

 

Kai   Den hat Ela gemacht –

 

Daniel   Wer kommt denn noch?

   Klaus und Markus sind in den USA, die sicher nicht –

   Phillip ist als Architekt in Japan –

 

Ela Jule ist nach Hamburg – (aber die hat noch ihren Mann, Ex-Mann hier, der hat ja die Kinder behalten, aber da müsste sie schon öfters in der Gegend sein –)

 

Daniel Gell – es war schon eine Ehre für euch Mädels bei uns Jungs in der Fußballmannschaft mitzumachen?

 Und der andere Philipp, mit zwei Ps – macht irgendwas mit BWL, glaub ich –

 

Claudia Und Paul –

 

Langes Schweigen.

 

Daniel Mein Gott – was schaust du mich so an?

   Er ist ertrunken –

 

Schweigen.

 

Daniel Aber –

   Was?!

   Was schaut ihr mich so an!

   Ich habe nur an seinen sportlichen Ehrgeiz appelliert –

 

Kai Eben –

 

Daniel   Ich hab ein Wettschwimmen vorgeschlagen –

 

Kai Du wusstest was mit ihm los war – bei uns beim Fußball war er schon Abwehr – da ein Versager, sein Atem hat ihm nie bis zur Rasenmitte gereicht –

 

Daniel Da waren wir in der sechsten Klasse!

 Aber in Portugal – wir waren doch keine kleinen Jungs mehr –

 

Claudia Eben –

 

Daniel Es sollte ein Wettschwimmen sein!

 Mehr nicht –

 

Claudia Da war noch was!

 (Es ging um mehr –)

 

(Daniel Konnte doch keiner wissen, dass es Strudel gab, da an dem Strand.

 Warum konnte keiner von uns diese Warnung lesen, das ist doch viel eher die Frage –

 

Kai Weil wir kein Portugiesisch können –

 

Daniel Es hätte ein Symbol geben müssen –

 

Kai Das ist nicht die Frage!)

 

Daniel Wollt ihr wissen, wie es war – im Meer. Erst hab ich gedacht, der zieht mich ab.

 Hey, der hängt dich ab! Paul mit seiner Wampe –

 Er hob die Hand, ich winkte zurück. Kapierte –

 Der wird abgetrieben im Wasser spürt man Schweiß nicht aber unter der Haut ist es kalt als ich kehrt machte war es –

 Kurz –

 Als wäre es wegen einem Wasserball den man nicht mehr –

 

Schweigen.

 

Daniel (zu Kai) Und du –

 Tu doch nicht so, du –

 Du hast es doch auch gewusst –

 

Claudia Was?

 

Daniel Du warst doch auch in Claudia verliebt –

 

Ela Was?

 

Claudia Was –

 

Daniel Bloß weil du einen Rückzieher gemacht hast –

 

Claudia Was gewusst?

 

 

Ruhe

 

Ela   Du warst in Claudia verliebt –

 

Kai Na und –

 

Ela Und hast es mir nie erzählt – das hat doch einen Grund!

 

Kai Du warst doch auch mal in jemand anders verliebt!

 

Ela Ja – in meinen Mathelehrer –

 

Kai In Herr Koch?

 

Ela nickt. Kai prustet los.

 

Kai In Herr Koch!

 

Kai prustet, schneidet die Herr-Koch-Grimmasse –

 

Kai In Herr Koch –

 

Kai prustet wieder, schneidet wieder die Herr-Koch-Grimmasse –

 

Kai In Herr Koch –

 

Das Prusten und Grimmassenschneiden wird immer hysterischer/verzweifelter, bis es beinah unerträglich ist –

Ela ernüchtert:

 

Ela Dir war immer alles egal, was wir gemacht haben –

 Deinen Stellen hab ich hinterhertelefoniert, das Haus, das war auch meine Initiative –

 So als ob du schon ein Teil meines Lebens wärest, aber kein

aktiver –

 Ein –

 Einrichtungsgegenstand –

 

Kai Vielleicht hat es nie so gekribbelt, aber es hat mich beruhigt, wenn du da warst –

 Du hast mich ruhig gemacht, wahrscheinlich so ruhig, dass du alles machen musstest, weil ich nichts machen konnte, weil ich so ruhig war, wenn du da warst, da musstet du (äffend) organisieren, organisieren, telefonieren –

 

Ela weint –

 

Ela Ich brauch was zu Trinken –

 

Kai Nein! Trink nicht –

 Denk an das Kind!

 

Ela fasst sich an den Bauch –

 

Ela Es ist noch so klein –

 

Kai Ela – bitte trink nicht –

 

Kai nimmt Ela in den Arm. Erzählt mehr zu sich, aber auch für Ela –

 

Kai In der fünften oder sechsten Klasse haben wir in der Mittagspause immer Fußball gespielt, vor Sport – ich glaub dienstags.

 Trainierten – im Park neben der Schule, unser Rasen war auf der einen Seite durch eine alte Fortmauer begrenzt, auf der anderen Seite ging’s so nach oben, die Kinder nutzten den Abhang im Winter zum Schlittenfahren, in unser Spielfeld rein sozusagen –

 Die Tore markierten wir mit unseren Jacken –

 Paul in der Abwehr –

 Und wenn ich ein Tor schoss oder auch nicht – ich trat auf Pauls Jacke, ich war froh, wenn sie dreckig wurde und wenn er mich anschaute dabei lachte ich in mich hinein –

 Ja, ich war in Claudia verliebt, später am Strand –

 

Ela Es war eine Wette, wer am weitesten rausschwimmt, der –

 

Kai Stimmt –

 

Ela Ich wollte nur Wasser trinken.

 Ist jetzt egal –

 

Kai will Ela festhalten, aber sie geht –

 

 

Wasser

 

Ela trinkt Wasser –

 

Ela Schau mal die Jungs gehen ins Wasser –

 Sollen wir auch Schwimmen gehen?

 

Kai kommt angerannt –

 

Kai   Soll ich dir den Rücken einreiben, Daniela?

   Bei Wind ist es besonders wichtig, da merkt man die Sonne nicht –

 

Claudia Aber es windet nicht –

 

Ela Ja, gern –

 

Claudia Wir wollten doch schwimmen –

 

Ela   Ich komm gleich nach –

 

Claudia Ich geh los, langsam zum Wasser runter –

 

Kai   Ela – darf ich dich Ela nennen?

   Ela und Kai – passt doch.

 

Ela lacht –

 

Claudia Paul steht da – erst bis zu den Knöcheln im Meer, dreht er sich zu mir um –

 Meine Füße spielen mit Muscheln von denen fast keine ganz ist.

   Glotz nicht so blöd!

Die Berge und das Meer sehen aus wie zwei große Brüder, über die Straßen in den Felsen gehauen zieht sich eine Autoschlange lauter winzigkleine Gefährte zum Gipfel hin Paul und Daniel werden kleiner und kleiner –

 

Daniel kommt angerannt –

 

Daniel   Leute –

   Hey Leute. Ich hab den Fernseher wieder hingekriegt!

 

Kurzes Schweigen –

 

Daniel   Aber das Spiel ist aus.

 

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