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Wettbewerb der Peinlichkeiten
Ensemble Drama Köln überrascht in der "Temporären Theatralen Zone"
von THOMAS LINDEN
Ein Hauch von Landschulheim umweht die neue Aktion der Temporären Theatralen Zone. Hier zwei Würstchen auf dem Grill, dort ein speckiger Seminarsaal; es gibt Bier aus der Flasche, im ersten Stock eine Bibliothek und wer möchte, kann sich über Nacht im Schlafsaal aufs Ohr legen. Das soll Theater sein? Ja, die Gruppe Drama Köln hat sozusagen ein jugendlich unverkrampftes Verhältnis zu den Brettern, die die Welt bedeuten und die im übrigen hier niemals vorkommen. Vor zwei Jahren war es ein "Ferienlager" auf dem Dach des Hotels Crowne Plaza, im letzten Jahr gab es - wie in diesem Jahr auch - Überraschungsauftritte an unbekannten Orten in Köln.
Theateraktion für 24 Stunden
Die wachsen sich diesmal an vier Wochenenden zu jeweils 24- stündigen Theateraktionen aus. Die ersten der "24-h-Plays" fanden im ehemaligen Domizil der Katholischen Hochschulgemeinde in der Steinfeldergasse statt. Sonntagsabends trafen sich zwei Autoren, Martin Kordic und Nina Ender, die Schulreferate über Angola und Portugal hielten. So geht es stets: Die Autoren übernehmen "Patenschaften" für die beiden Länder, die während der Fußball-WM gerade ihre Auftritte in Köln haben. Dann bekommen sie auf einer Modenschau Kostüme und Schauspieler vorgeführt, die ihnen anschließend für ihr Stückzugelost werden. Der Text wird in der folgenden Nacht geschrieben, morgens um acht ist Abgabetermin, tagsüber wird mit Regisseuren und Darstellern geprobt, und abends steigt dann die Premiere. Atemlos soll das Theater wieder werden. Ein Anspruch, der stellenweise eingelöst wird. Auch wenn die Regeln mit all ihren Mätzchen und Prozeduren manchmal nicht charmant, sondern nur noch umständlich wirken, so gab es eine Überraschung. Martin Kordic nächtliche Schreibarbeit förderte mit "Weilands" ein groteskes Theaterspektakel zutage, das beim Versuch, Klischees zu brechen nur noch mehr produzierte. Nina Enders "Klassentreffen" ließ jedoch aufhorchen. Das Stück erzählt von einem Wettbewerb der Peinlichkeiten während eines Ehemaligentreffens. Mit Witz und gutem Timing zeigt Regisseur Kay Voges starke Szenen, die zupackend gespielt werden.
Aus den ehemaligen Schulrebellen sind nun offensichtlich die Spießer geworden, die sie unter der Oberfläche immer schon waren. Klug gelingt der schwierige Wechsel von der Komik zur Tragik, wenn angedeutet wird, dass es noch einen Todesfall im Kreise der Ehemaligen aufzuklären gibt. Nina Ender und die Kölner Truppe lieferten mitreißend-spontanes Theater. Was das alles mit der WM, geschweige denn mit Portugal oder Angola zu tun hatte, blieb allerdings ein dunkles Geheimnis von Autoren und Regie. Ärgerlich - da muss das Konzept noch einmal überarbeitet werden.
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